Transalpine Run 2018
Transalpine Run 2018

RENN- UND ERLEBNISBERICHT CORE-TEX TRANSALPINE RUN 2018

2.-9. September 2018, Start Nrn 64-1/2, Peter Camenzind und Thomas Nigg

Auf der „Sport“-Bucket list ist bei uns der Core-Tex Transalpine aufgeschrieben, ein Alpentrail in 2-er Teams mit 600 Teilnehmern aus 34 Nationen quer durch die Alpen von Garmisch-Partenkirchen  (DE) über Oesterreich ins Südtirol (IT), d.h. ca. 260 km Distanz über 7 Einzeletappen mit ca. 16.000 Hm rauf und runter zu absolvieren. Als Vergleich heisst dies beinahe die Distanz zu Fuss von Zürich nach Genf mit 12 Mal dazwischen den Höhenunterschied des Rigi-Berges zu überwinden !

Der erste Start steht bei kühlen Temperaturen von ca. 10 Grad Celsius bevor, nachdem wir das Drop-Bag für nach dem Zieleinlauf mit den letzten warmen Kleidern am Core-Tex Stand abgegeben können.

Täglich werden wir jeweils mit motivierender Musik, 45 Minuten vor dem Start in die verschiedenen Startblöcke, inkl. Packkontrollen beschallt. Jeweils 60 Sekunden beginnt der Count Down mit der Musik von AC/DC „High-way to hell“, welche uns für das tägliche Laufpensum vorwärts pushed.



Etappe 1: 43.7 km mit 2470 Hm Aufstieg und 2328 Hm im Abstieg erwarten uns bei verhangenen Wolken ohne Sonnenschein für ein perfektes Laufwetter, auch wenn die schöne Gegend mit Zugspitze nicht gesehen werden kann.

Nach knapp 4 ½ km flachem Teil beginnt es endlich steil, auf einem alpinen Trail geht es so richtig hoch und die Positionen verschieben sich stetig, da einige schon Tribut für den raschen Start zollen.

Der 1. Verpflegungsposten (VP) naht und der kulinarische Höhenflug für Trail-Läufer beginnt:

Nebst obligaten halbierten Powerbars gibt es eine reiche Auswahl an besten Food-wünschen: Überall mundgerechte Portionen mit Weissbrot/Aufstrich salzig oder mit Nutella, Ananas/Orangen/Apfelschnitze, Bananenstücke, Tilsiter mit halben Cherry-tomaten, Gurken, Aufschnitt und Bisquits.  An zukünftigen VP`s auf den Strecken gibt es sogar Porriage und Müsli, die besten Foodstation, welche ich in den letzten 23 Ultraszenenjahre erlebt habe !

Alle Strecken sind sehr abwechslungsreich; liebliche Waldpartien mit viel Moos, langansteigende Schotterstrassen, knackige Aufstiege und häufig steile, steinige Abstiege und mit >1000 Hm auf knapp 5km.

Eine „Riesenchilbi“ am Ziel erwartet uns, d.h ca. 400 Meter vor dem Ziel gibt es eine letzte Zeitmessung, sodass der gewandte Speaker am Ziel auch die eintreffenden müden Läufer entsprechend ankündigt und kommentiert. Peter wird mit seinen zarten 67 Jahren als ältester Läufer, aber weit weg von langsamer Laufleistung, mit noch mehr Applaus und Popmusik empfangen. Wir beide freuen uns über das harmonische Zusammenspiel unserer Lauf- und taktischen Leistung sehr, wohlwissend, dass noch 6 weitere knackige Teilstrecken bevorstehen.

Im überschaubaren Zielbereich gibt es zwar limitierte- aber doch vereinzelt verfügbare Liegestühle, Hocker und „hang-out“ Sessel zum Chillen. Beim herzlichen Empfang am Core-Tex Stand kriegen wir auch unseren geliebten „Drop-Bag“ mit den trockenen Kleidern und bequemen Schuhen zurück, begleitend mit einer Flasche Bier (Weiss- oder normales Bier mit /ohne Strom). Wir beide haben zum Glück auch immer nach dem Zieleinlauf Kohldampf und können gerade die frischen Sandwiches und leckeren Linsertorten, etc. mit Genuss verschlingen und einfach mal Beine hängen lassen. Zum Organisationsritual am Ziel gehört auch jeweils das Aufsuchen des Standes des OK´s, welche uns jeweils unseren Hotel- Übernachtungsort mit 500 Meter Distanz zum Start/Zielgeländes, sowie „Shuttle-Service“ angibt.

Nach gemütlichem Duschen, Reinigung der Schuh, Trocknen der Laufwäsche inkl. Entspannungsöl und täglichen 20-minütigen Dehnübungen geht es zur Pastaparty und Siegerehrung.

Rang 53. Overall und 8. Rang in Kategorie Senior Master Man.



Etappe 2: 27.6 km 1624 Hm Aufstieg, 1574 Hm Abstieg.
Das Frühstücksbuffet freut uns aber sehr und wir finden immer Lust auf ein paar leckere Sachen, sei es Rühreier, Käse oder einfach frisches Brot mit schwarzem Kaffee.

Am 2. Tag gibt es sogar 3 Blockstarts mit 10 Minuten Abstand, da nach bereits 1.2 Kilometern ein steiler, enger Single-Trail mit Stauauswirkungen beginnt.

Meist laufe ich ein paar Meter voraus und das Lauftempo behagt mir und vor allem Peter auch meist. Ohne viele Worte harmonieren wir mit selbstverständlicher Rücksichtnahme aufeinander, unglaublich.

Ich schaffe es aber am 2. Tag bereits, einer meiner geliebten leichten Black Diamonds Stöcke zu brechen. Solche Zwischenfälle spielen wir im Vorfeld mit Mentaltraining durch. Was machen, wenn…?

Rang 48. Overall und 8. Rang in der Kategorie Senior Master Man



Etappe 3 verspricht mit 51km, 3118 Hm Aufstieg und 2226 im Abstieg als Königsetappe einiges. Die abschliessenden knapp 10 km mit 300 Hm liegen Peter etwas auf dem Magen; mögen wir diesen Schlussteil mit Laufen oder gehen absolvieren, sodass wir nicht hässlich viel Zeit verlieren werden?  Diesen abwechslungsreichen Streckenteil bietet wieder alles und wir können auf den Asphaltanteilen und den lieblichen Trails Boden gut machen. Übrigens hat sich die unberechtigte Angst auf dem letzten Teil zerschlagen und wir konnten in einem perfekten Lauftempo die letzte Rennstunde fast zu 100 % durchlaufen.

Leider machte sich heute der Schienbeinmuskel vorne bei mir immer heftiger bemerkbar und ich musste bereits in den Abstiegen mit Ausweichschritten und Entlasten des linken Beines arbeiten. Sind dies Vorboten einer Sehnen- oder Knochenhautentzündung? Am Ziel suche ich dann das Medical Care Center auf und erhalte entsprechend entzündungshemmende Tabletten, welche mich von Gedanken einer Rennaufgabe etwas distanzieren.

Rang 38. Overall und 5. Rang in Kategorie Senior Master Man



Etappe 4. 28.1km, 2296 Hm Aufstieg, 2622 Hm Abstieg

Wunderschönes Spätsommerwetter erwartet uns. Mit einem Tape nehmen wir die anspruchsvollen Trail-Passagen in Angriff, in welchen einen Sturz verheerende schmerzhafte Folgen hätte; zwar nicht zwingend tödlich aber mit üblen Verletzungen.

Leider ist der stechende Schmerz auf den ersten 800 flachen Startmetern nicht weg und ich habe doch etwas mulmige Gedanken an die bevorstehenden giftigen Downhills.

Nach der steilen Überschreitung des höchsten Punktes der Woche mit dem Pitzaler Jöchl auf 3000 M.Ü.M beginnt der lange Abstieg über den steilen Söldner Gletscher, welcher einen imposanten Eindruck über die verrückten Rennskifahrer gibt, welche jeweils im Oktober die Saison hier starten.

Peter muss mit mir Geduld üben und trappt locker mit mir den Berg runter, d.h. ein runter Brettern, ballern, etc. lässt meine Muskeln leider nicht zu und wir verlieren bestimmt ca. 20 Minuten im Downhill.

Rang 60. Overall und 9. Rang in Kategorie Senior Master Man

 

Etappe 5: 39.6km, 2286 Hm Aufstieg, 2956 Hm Abstieg

Glücklicherweise folgt diese abwechslungsreiche Etappe mit viel Anteil an schönsten Trailpassagen, welche für mein Laufen schmerzschonender waren und zugleich herrliche Eindrücke der Timmelsjoch Passstrasse und des Passeier Tales boten. Es braucht konstante Konzentration vor allem in den Abstiegen, um die Trittsicherheit zu behalten und Stürze zu vermeiden. Auf einem rutschigen Abstieg erwischt es aber Peter doch. Dank seiner dynamischen Reaktion entgeht er einem Drecktaucher mit dem Kopf und Brille, aber ein schmerzhafter Druck auf der Brust begleitet ihn bis ins Ziel. Leider geht dieser bis nach Brixen nicht mehr weg und behindert Peter auch mit dem Rucksack und beim intensiven atmen doch, was eventuell sogar auf eine Rippenprellung-/Quetschung zu diagnostizieren ist.

Rang 49. Overall und 7. Rang in Kategorie Senior Master Men



Etappe 6: 34.2 km, 2624 Hm Aufstieg, 2223 Hm Abstieg

Der Siegeswillen steigt und wir sind immer zuversichtlicher, das wir es nun schaffen werden, auch wenn die Schmerzen nicht weg sind. Abwechslungsreiche schöne Trails starten nach 4 flachen Einstiegskilometern über herrliche Wiesenwege und mit einem richtigen Skyrace Teil, inkl. Stahlketten und heftigem Abstieg. Nachher geht es auf erträglichen Downhill Wegen nach Sarnthein und ohne viel Asphaltpassagen bis ins Ziel.

Rang 48. Overall und 7. Rank in der Kategoire Senior Master Men



Etappe 7: 36.0km, 2118 Hm Aufstieg, 2536 Hm Abstieg

Am Abschlusstag äussert Peter erstmalig die Anstrengungen der vorherigen kraftzerrenden Lauftage und wir regulieren das Tempo optimal für uns beide. Glücksgefühle kommen spätestens auf dem höchsten Punkt am Schlusstag auf, dass wir gemeinsam, diese unbeschreibliche Woche erfolgreich nach Brixen im Südtirol zu Ende laufen werden.

Die Stimmung auf den letzten 500 Metern vor der „Finish-line“ auf dem malerischen Dorfplatz in Brixen sind eindrücklich, da wir beide doch sehr stolz sind, ohne grössere Komplikationen und auch dank grossem Wetterglück sehr gut angekommen sind.

Wir umarmen uns am Ziel herzlich und werden mit einer Finisher-Medaille und abends bei einer riesen Abschlussparty mit einem Finisher T-Shirt belohnt. Jetzt kommt die grosse Genugtuung nach 7 Tagen und viel Freude, dass wir ein weiteres Sportziel in unserem Lauf-„Palmares“ erfüllt haben.

Peter und ich erzielen den 6. AK Rang, Gesamt 48 von 300 angemeldeten Laufpaaren. DNF (Did not finish) Rate liegt doch bei 33%. Wir lassen mal den Erfolg ruhen bevor wir uns wieder für die Ausgabe 2019 anmelden werden. Gute Erholung !